Depression

Depressionen im leichten bis mittelgradigen Bereich gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Betroffene leiden typischerweise unter einer anhaltend gedrückten Stimmung, vermindertem Antrieb, Interessenverlust und schneller geistiger sowie körperlicher Erschöpfbarkeit. Viele Patienten berichten außerdem über Konzentrationsprobleme, verminderte Motivation und eine reduzierte Fähigkeit, Freude zu empfinden. Häufig treten zusätzlich Schlafstörungen auf, zum Beispiel Einschlaf- oder Durchschlafprobleme oder ein sehr frühes Erwachen am Morgen. Auch Ängste, innere Unruhe und eine ausgeprägte Grübelneigung können die depressive Symptomatik begleiten. Die Gedanken kreisen dann immer wieder um negative Inhalte, Selbstzweifel oder pessimistische Zukunftserwartungen.


Neurobiologisch sind bei Depression vor allem präfrontale und limbische Strukturen betroffen, die für Emotionsregulation, Motivation und kognitive Kontrolle zuständig sind. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Zusammenspiel verschiedener funktioneller Netzwerke des Gehirns. Im Rahmen der sogenannten Triple Network Model wird davon ausgegangen, dass drei zentrale Netzwerke an der Entstehung und Aufrechterhaltung vieler psychischer Störungen beteiligt sind: das Default Mode Network, das Salience Network und das Central Executive Network.

Überaktivität des Default Mode Networks

Bei Depression zeigt sich häufig eine Überaktivität des Default Mode Networks. Dieses Netzwerk ist unter anderem für selbstbezogene Gedankenprozesse verantwortlich. Wenn seine Aktivität erhöht ist, neigen Patienten stärker zu Grübeln und zu einer dauerhaften gedanklichen Beschäftigung mit sich selbst und ihren Problemen. Gleichzeitig arbeitet das Central Executive Network, das für Aufmerksamkeit, Planung und kognitive Kontrolle zuständig ist, oft weniger effizient. Dadurch fällt es schwerer, Gedanken bewusst zu steuern oder sich von negativen Gedankenschleifen zu lösen. Das Salience Network, das normalerweise zwischen inneren und äußeren Reizen priorisiert und zwischen den Netzwerken umschaltet, zeigt ebenfalls häufig eine Dysregulation. Diese Netzwerkdysbalance trägt wesentlich zu den typischen Symptomen wie Grübeln, Antriebsmangel und emotionaler Dysregulation bei.

Aktivitätsmuster im QEEG von depressiven Patienten

Im quantitativen EEG, dem QEEG lassen sich bei depressiven Patienten häufig charakteristische Aktivitätsmuster beobachten. Eine der bekanntesten Veränderungen ist die frontale Alpha-Asymmetrie. Dabei zeigt sich im linken präfrontalen Cortex relativ mehr Alphaaktivität als auf der rechten Seite. Da Alphaaktivität funktionell eine verminderte kortikale Aktivität widerspiegelt, bedeutet dieses Muster eine reduzierte Aktivierung des linken Frontallappens. Dieser Bereich ist eng mit positiver Affektverarbeitung, Motivation und Annäherungsverhalten verbunden. Eine verminderte Aktivität kann daher mit Antriebslosigkeit, Interessenverlust und einer reduzierten positiven emotionalen Reaktionsfähigkeit zusammenhängen. Zusätzlich finden sich häufig erhöhte Theta-Aktivität in frontalen oder cingulären Regionen sowie Hinweise auf eine erhöhte Aktivität medialer Strukturen, die mit dem Default Mode Network zusammenhängen.ale Erregbarkeit können Hinweise auf eine instabile neuronale Regulation geben.

Lässt sich eine Depression erfolgreich Behandeln

Mit Hilfe eines QEEG-Analyseprogramms wie NeuroGuide können diese Muster sichtbar gemacht und mit normativen Datenbanken verglichen werden. Dadurch lässt sich genauer beurteilen, welche Hirnregionen oder Netzwerke von der Dysregulation betroffen sind. Diese Informationen können anschließend zur Planung einer individualisierten Behandlung genutzt werden.

Ein wichtiger diagnostischer Aspekt ist, dass sich ADS/ADHS im Erwachsenenalter als depressive Symptomatik präsentieren kann. Viele Betroffene haben seit Jahren Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Organisation und Impulskontrolle und erleben dadurch wiederholte Misserfolge oder chronische Überforderung. Daraus können sekundär depressive Symptome entstehen, die klinisch wie eine Depression wirken. Im QEEG zeigen sich bei ADHS jedoch häufig andere Muster, beispielsweise ein erhöhtes Theta-Beta-Verhältnis oder eine reduzierte frontale Aktivierung. Deshalb ist eine differenzierte Diagnostik wichtig, um nicht eine Depression zu behandeln, wenn eigentlich eine Aufmerksamkeitsregulationsstörung vorliegt.

Beim Neurofeedback lernen Patienten über operante Konditionierung, ihre eigene Gehirnaktivität schrittweise zu regulieren. Das Gehirn erhält in Echtzeit eine Rückmeldung über seine Aktivität und wird dafür belohnt, wenn sich die Aktivitätsmuster in die gewünschte Richtung verändern. Ziel der Behandlung ist es, dysfunktionale Aktivitätsmuster zu stabilisieren und die Selbstregulation der beteiligten Netzwerke zu verbessern.

Was kann Neurofeedback bewirken

Bei depressiven Patienten kann Neurofeedback beispielsweise darauf abzielen, die Aktivität im linken präfrontalen Cortex zu erhöhen und damit die frontale Alpha-Asymmetrie zu reduzieren, wenn diese messbar ist. Gleichzeitig können Trainingsprotokolle eingesetzt werden, die präfrontale Kontrollnetzwerke stärken oder übermäßige langsame Aktivität in frontalen und medialen Bereichen regulieren. Durch wiederholtes Training kann sich die Balance zwischen Default Mode Network, Salience Network und Central Executive Network stabilisieren. Klinisch berichten viele Patienten im Verlauf über eine Verbesserung der Stimmung, mehr Antrieb, eine bessere Konzentrationsfähigkeit sowie eine Abnahme von Grübeln, Schlafstörungen und begleitenden Ängsten.

Zusammenfassend handelt es sich bei leichten bis mittelgradigen Depressionen um eine komplexe Störung der Emotions- und Netzwerkregulation im Gehirn. QEEG-Analysen ermöglichen es, typische Aktivitätsmuster sichtbar zu machen und individuelle Dysregulationen zu erkennen. Auf dieser Grundlage kann Neurofeedback gezielt eingesetzt werden, um die Selbstregulation der betroffenen Hirnnetzwerke zu verbessern und depressive Symptome nachhaltig zu reduzieren.

Nützliche Informationen und Links zu Depression

Allgemeine Informationen zur Neurofeedback Behandlung findet Ihr auf unseren Seiten Wirksamkeit von Neurofeedback, Was ist Neurofeedback oder dem Überblich zu Neurofeedback im Artikel Die Vielfalt des Neurofeedback. Lesen Sie ggf. auch unseren verwandten Artikel Burnout was tun. Zudem bauen wir viele Themen in unseren Neurofeedback Behandlungsfeldern auf.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen,
Euer Brain-Care Team

Dein neuer Job als Neurofeedback Therapeut*in bei Brain-Care

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